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Aufstellungen aller Art

Die Absicht

Wie jedes Ritual wird auch die Familienaufstellung stärker, konzentrierter und dynamischer, wenn sie mit einer Absicht verbunden ist. Die beteiligten Energien erhalten dadurch eine Ausrichtung. Für deine Familienaufstellung formulierst du also zuerst, weshalb du eine solche machen möchtest und was du dir davon versprichst.

 

Die Stellvertreter/innen 

Danach suchst du die Stellvertreter/innen für jene Familienmitglieder aus, welche für deine Absicht massgeblich sind, einschliesslich dir selber. Wann immer erforderlich können später noch Stellvertreter/innen für weitere Familienmitglieder hinzugezogen werden. Dann stellst du die Stellvertreter/innen nacheinander an ihren Platz im Raum. Wenn die Stellvertreter/innen an ihrem richtigen Platz stehen, wird das nicht mehr korrigiert. Nachdem du alle Stellvertreter/innen aufgestellt hast, setzt du dich an einen Platz, von wo aus du das Geschehen gut beobachten kannst.

 

Der Weg und das Ziel

Du hast nun nichts weiter zu tun, als aufmerksam zuzuschauen und das Geschehen auf dich wirken zu lassen. Ab und zu kann die leitende Person dich fragen, wie du dich fühlst, und ob etwas dir vertraut vorkommt. Aber du greifst nicht ein, gibst keine Anweisungen und stellst schon gar nicht die Stellvertreter/innen um. Du hast keinerlei Kontrolle über das, was geschieht. Erst am Schluss, wenn die Aufstellung gelöst ist, nimmst du den Platz deiner Stellvertreterin/deines Stellvertreters ein. Vielleicht ist abschliessend noch etwas zu sagen. Dann spürst du das Schlussbild und nimmst es in dich auf. Dieses Schlussbild wird für längere Zeit in dir weiterwirken.

 

Die natürliche Ordnung

Wenn du alle Stellvertreter/innen aufgestellt hast, fragt die leitende Person diese nacheinander, wie sie sich an ihrem Platz fühlen und was sie wahrnehmen, insbesondere auch in Bezug auf die anderen Familienmitglieder. Danach werden die Stellvertreter/innen von der leitenden Person allmählich so umgestellt, dass sie in einer natürlichen Ordnung zu stehen kommen. Genauso wie bei unserem Körper die rechte Seite als männlich und die linke Seite als weiblich gilt, steht in gegengeschlechtlichen Beziehungen jeweils der Mann auf der rechten Seite und die Frau auf der linken Seite. In der Familie bedeutet das, der Vater steht rechts und die Mutter steht links. Gegenüber stehen die Kinder von links nach rechts in der zeitlichen Reihenfolge ihrer Geburt. Diese Ordnung ist ein Erfahrungswert. Wieso sie so aussieht, weiss ich nicht. Familienaufstellungen funktionieren bestens, auch wenn wir nicht sagen können, weshalb sie funktionieren. Allerdings laufen Familienaufstellungen keineswegs schematisch ab. Es ist jeweils eine detektivische Ermittlungsarbeit, bei der Struktur und Offenheit sich gegenseitig bedingen und bei der die intuitiven Eingebungen der leitenden Person eine ausschlaggebende Rolle spielen.

 

Ins Hier und Jetzt kommen

Wenn alle Stellvertreter/innen in der natürlichen Ordnung stehen, wird bald deutlich, wo im System Störungen vorhanden sind. Damit das System ordnungsgemäss funktioniert, müssen alle beteiligten Personen seelisch anwesend sein. Hinderlich kann sein, dass eine Person sich überfordert fühlt, dass sie sich verlassen und verloren fühlt, dass sie sich missverstanden fühlt, dass sie Groll empfindet, dass ihr Herz bei einer früheren Beziehung ist, dass sie Schuld auf sich geladen hat oder dass sie gar einer verstorbenen Person nachfolgen möchte. Oftmals fehlt einer Person die Unterstützung durch ihre Vorfahren. Diese Störungen müssen erst geklärt werden, bevor die jeweilige Person im Hier und Jetzt ihren Platz einnehmen kann.

 

Die Seelenverbindungen

Besonders berücksichtigt werden Abtreibungen und Fehlgeburten. Wichtig ist, dass in diesem Fall die Trauer über den Verlust des Kindes von beiden Elternteilen getragen wird. Auch Familiengeheimnisse, über die nicht geredet wird, und Familienmitglieder, die aus irgend welchen Gründen gemieden werden, verdienen unsere Aufmerksamkeit. Die Seelenverbindung kann unter Umständen mehrere Generationen überspringen. Die Seelenverbindung kann auch einer Seele gelten, deren Körper durch Abtreibung oder Fehlgeburt diesmal gar nicht das Licht der Welt erblickt hat. Für die Seelenverbindung brauchen die betreffenden Seelen nicht verkörpert zu sein.

 

Gegenseitige Achtung

Für die Klärung einer Beziehung ist es hilfreich, wenn die beteiligten Personen erst einmal aufgefordert werden, sich voreinander zu verneigen. Bei einer schweren Störung werden sie sich so lange dagegen sträuben, dieser Aufforderung zu folgen, bis die Störung behoben ist. Zugleich ist die durch die Verneigung ausgedrückte gegenseitige Achtung eine gute Grundlage dafür, auch die restlichen zwischen ihnen bestehenden Differenzen noch zu bereinigen. Dazu lässt die leitende Person die Stellvertreter/innen bestimmte Sätze nachsprechen. Die Stellvertreter/innen merken dann schnell, ob die Sätze so für sie stimmen oder nicht. Auch aus den Augen der Stellvertreter/innen lässt sich viel über die jeweilige Beziehung ablesen.

 

Die Last zurückgeben

Wenn eine Person noch mit einer anderen Person aus der Vergangenheit verstrickt ist, dann gilt es, die vergangene Beziehung zu klären. Wenn eine Person im System die Last von Überforderung, Schmerz oder Trauer für eine andere Person trägt, dann gilt es, diese Last symbolisch zurückzugeben. Wenn eine lebende Person mit einer verstorbenen Person verstrickt ist, dann gilt es anzuerkennen, dass es das Schicksal der verstorbenen Person war, zu jenem Zeitpunkt zu sterben, und dass es die Aufgabe der lebenden Person ist, in der ihr noch verbleibenden Zeit hier auf der Erde ein gutes Leben zu führen. Wenn eine verstorbene Person sich aufgeopfert hat, dann gilt es zu gewährleisten, dass die lebenden Personen sich nicht schuldig fühlen, sondern ihr eigenes Leben führen, damit das Opfer nicht vergebens war.

 

Der Idealfall

Ich schildere nun den Idealfall, wenn das System vollständig geklärt ist. Der Vater verneigt sich vor der Mutter und sagt: „Ich nehme dich als meine Frau.“ Die Mutter verneigt sich vor dem Vater und sagt: „Ich nehme dich als meinen Mann.“ Das Kind verneigt sich vor seinen Eltern und sagt: „Du bist meine Mutter/mein Vater, und ich gebe dir die Ehre.“ Die Mutter/Der Vater verneigt sich vor ihrem/seinem Kind und sagt: „Du bist mein Kind. Ich bin stolz auf dich, und ich gebe dir meinen Segen.“ Die Geschwister können das zusammen machen, oder es wird ein Kind herausgegriffen, mit dem es Probleme gibt.

 

Klare Verhältnisse

Wenn die Beziehung der Eltern gestört ist, wird oftmals ein Kind als Partnerersatz benutzt. Das ist für alle beteiligten Personen ungesund. Bei einem Mädchen sagt der Vater: „Du bist meine Tochter, und deine Mutter ist die richtige Frau an meiner Seite.“ Bei einem Jungen sagt die Mutter: „Du bist mein Sohn, und dein Vater ist der richtige Mann an meiner Seite.“ Wenn die Eltern Probleme haben, stellt sich auch oftmals ein Kind über sie. Dann ist es ratsam, das Kind sich hinknien zu lassen. Die Eltern sagen: „Du bist unser Kind. Du bist die/der Kleine, und wir sind die Grossen. Unsere Probleme lösen wir selber. Du brauchst dich da nicht einzumischen.“ Und das Kind sagt: „Ihr seid meine Eltern. Ich bin die/der Kleine, und ihr seid die Grossen. Ich überlasse es euch, eure Probleme zu lösen. Ich werde mich da nicht mehr einmischen.“ Manchmal ist es auch nötig, dass das Kind sich auf den Knien vollständig vor den Eltern verneigt. Zuweilen braucht das einige Überwindung. Tatsache ist jedoch, dass die Kraft der Ahninnen und Ahnen nur über die Generationen hinweg weitergegeben werden kann, wenn der Energiefluss in seiner natürlichen Abfolge gewährleistet ist. Und nicht an diese Kraft angeschlossen zu sein, ist der sicherste Weg in die Depression.

 

Das Schlussbild

Für das Schlussbild nimmst du die Position der Person ein, die deine/dein Stellvertreter/in in der Aufstellung war. Idealerweise kannst du im Schlussbild spüren, wie hinter dir dein Vater auf der rechten Seite und deine Mutter auf der linken Seite die Kraft ihrer Vorfahren an dich weitergeben. Eine andere Variante ist, dass du dich an deinem Platz in der Geschwisterreihe einordnest und spürst, wo du wirklich hingehörst in deiner Herkunftsfamilie. Dieses Schlussbild kann dir viel Kraft geben und wird dich weiter durch dein Leben begleiten.

 

Herkunftsfamilie und Gegenwartsfamilie

Zur vollständigen Klärung eines Familiensystems können mehrere Aufstellungen der Herkunftsfamilie mit unterschiedlichen Schwerpunkten erforderlich sein. Eine Aufstellung hat oft tiefgreifende Auswirkungen. Dazu ist einige Zeit erforderlich. Deshalb sollte mit einer allfälligen nächsten Aufstellung mindestens ein paar Monate zugewartet werden. Nachdem deine Herkunftsfamilie einigermassen vollständig geklärt ist, kannst du dazu übergehen, das Gegenwartssystem aufzustellen. Ausser in dringenden Notfällen (ein akutes Trauma in der Gegenwart) ist es wenig sinnvoll, sich dem Gegenwartssystem vorher zuzuwenden, da du sonst unweigerlich innert kürzester Zeit wieder in der Herkunftsfamilie landest. Nur wenn wir über unsere Eltern an die Kraft unserer Ahninnen und Ahnen angeschlossen sind, können wir wirklich ganz uns selber sein, ganz Frau oder ganz Mann, und nur auf diese Weise können wir dann auch wirklich beziehungsfähig sein. Sorry, wem das nicht gefallen mag, aber auch das ist ein Erfahrungswert. Wer öfters in Familienaufstellungen als Stellvertreter/in in die Rollen geht, wird diese Aussage nur bestätigen können.

 

Deine partnerschaftlichen Liebesbeziehungen

In der Aufstellung deines Gegenwartssystems wirst du mit sämtlichen partnerschaftlichen Liebesbeziehungen deines Lebens aufgestellt, samt eventuell dabei entstandener Kinder (einschliesslich Abtreibungen und Fehlgeburten). Angefangen mit deiner ersten Liebe werden der Reihe nach deine Beziehungen angeschaut. Welche Gefühle sind noch vorhanden? Allfällige Verletzungen bringst du zum Ausdruck. Vielleicht tun sie deinem Partner/deiner Partnerin leid. Für die guten Sachen bedankst du dich. Dann sagst du: „Ich übernehme meinen Teil der Verantwortung daran, dass die Beziehung auseinandergegangen ist, und überlasse dir den deinen.“ Vielleicht empfindest du auch Bedauern darüber. Danach lässt du deinen Partner/deine Partnerin los und wünscht ihm/ihr alles Gute für sein/ihr weiteres Leben. Dasselbe macht dein Partner/deine Partnerin dir gegenüber. Erst nachdem die Beziehungen deiner Vergangenheit geklärt sind, bist du wirklich da für die Beziehungen in deiner Gegenwart. Erst dann kannst du unbefangen dir anschauen, wo du stehst im Hier und Jetzt. Bist du schon bereit für eine Partnerschaft oder noch nicht? Und in einer allfälligen Partnerschaft kannst du beurteilen, ob dein/e Partner/in wirklich deine grosse Liebe ist, ob du zu ihm/ihr nur eine vorübergehende Beziehung aufrechterhalten willst, oder ob seine/ihre Zeit bereits abgelaufen ist und du offen für eine neue Liebesbeziehung bist.

 

Gastrollen als Stellvertreter/in

Als Stellvertreter/in in deinen Gastrollen erhältst du oft tiefgreifende Einblicke in andere Welten. Diese anderen Welten haben mehr oder weniger mit deiner eigenen Welt zu tun. Andere Systeme können uns Erfahrungen und Einsichten vermitteln, die wir im eigenen System unter Umständen nicht so leicht würden gewinnen können. Bestenfalls handelt es sich sogar um richtiggehende Einweihungserfahrungen, wenn es etwa um bereits Verstorbene, um Ungeborene, um wahre Liebe oder um Engelwesen geht. Solche Erfahrungen sind unvergesslich und können fortan eine wesentliche Bereicherung unseres eigenen Lebens darstellen.

 

 

siehe meine eigenen Aufstellungstage

siehe Homepage von Monika König

siehe Homepage von Brigitte Corpataux