Home
KontaktSitemapöffnet eine druckoptimierte Version der Seite in einem neuen Fenster

Die Evolution des Lebens

Die biologische Evolutionstheorie

Die von Charles Darwin begründete biologische Evolutionstheorie befasst sich mit der Evolution des Lebens, also mit dem Prozess der Erhaltung und der Wandlung der Lebewesen in der Generationenfolge. Die biologische Evolutionstheorie erklärt, nach welchen Ursachen und Prinzipien das Leben entstanden ist und wie die Lebewesen mitsamt ihren Bedürfnissen beschaffen sind, soweit sie ein Resultat der Evolution des Lebens sind. Inwiefern die biologische Evolutionstheorie die ganze Wahrheit über die Entstehung und Weiterentwicklung des Lebens ist, sei dahingestellt. Jedenfalls sollte die biologische Evolutionstheorie nicht vernachlässigt werden, wenn wir die Selbstverwirklichung der Lebewesen verstehen und fördern wollen.

 

Die zentrale Aussage der Evolutionstheorie besteht in der einfachen, unmittelbar einleuchtenden Feststellung: Wenn Lebewesen unterschiedliche Erbeigenschaften aufweisen und wenn die Erbeigenschaften der Lebewesen sich auf ihre Überlebens- und Fortpflanzungschancen auswirken, so werden jene Lebewesen, deren Erbeigenschaften ihnen grössere Überlebens- und Fortpflanzungschancen bieten, in der Regel dann auch mehr Nachkommen (mit denselben Erbeigenschaften) haben, während jene Lebewesen, deren Erbeigenschaften ihnen kleinere Überlebens- und Fortpflanzungschancen bieten, weniger Nachkommen (mit denselben Erbeigenschaften) haben werden, so dass es in der nächsten Generation verhältnismässig mehr Lebewesen mit den ersteren und weniger Lebewesen mit den letzteren Erbeigenschaften geben wird.

 

Je mehr überlebensfähige Nachkommen ein Lebewesen hat, umso stärker sind seine Erbeigenschaften in der folgenden Generation vertreten. Mit der Zeit setzen sich somit immer genau jene Erbeigenschaften gegenüber anderen durch, die in dem Sinne zweckmässiger sind, dass sie ihrem Träger grössere Überlebens- und Fortpflanzungschancen bieten als die anderen entsprechenden Erbeigenschaften dem ihren. Dies ist die grundlegende Gesetzmässigkeit des evolutionären Entwicklungsprozesses: Die Träger der zweckmässigeren Erbeigenschaften pflanzen sich mit grösserer Wahrscheinlichkeit fort als die Träger der weniger zweckmässigen Erbeigenschaften. Folglich wird sich die Anzahl der zweckmässigeren Erbeigenschaften von Generation zu Generation vermehren.

 

Der genetische Bauplan

Ein grundlegendes Merkmal aller Lebewesen ist ihr genetischer Bauplan, der in den Nukleinsäuren abgespeichert ist und durch den ihre Erbeigenschaften festgelegt sind. Alle Merkmale eines Lebewesens sind darin begründet. Eine wesentliche Bedingung für die Evolution des Lebens war die Stabilität der Erbeigenschaften der Lebewesen. Ohne diese Stabilität ist kein Leben möglich. Zur Erzeugung von Nachkommen muss das Lebewesen Erbeigenschaften besitzen, die es an seine Nachkommen weitergeben kann. Die Erbeigenschaften steuern im Rahmen der erwartbaren Umweltbedingungen sowohl den Lebensprozess des Lebewesens selbst wie dann auch den Lebensprozess seiner Nachkommen.

 

Die Erbeigenschaften durften aber auch nicht völlig unveränderlich sein. Eine gewisse Mutabilität der Erbeigenschaften war ebenso eine wesentliche Bedingung für die Evolution des Lebens. Ohne diese Mutabilität ist keine Weiterentwicklung der Lebewesen von Generation zu Generation möglich. Die meisten Mutationen sind zwar für Überleben und Fortpflanzung des Lebewesens weniger günstig und werden deshalb von den nicht mutierten Erbeigenschaften wieder verdrängt, welche die Erzeugung von mehr Nachkommen ermöglichen. Es gibt aber immer wieder auch Mutationen, die für Überleben und Fortpflanzung des Lebewesens günstiger sind und die dann ihrerseits die nicht mutierten Erbeigenschaften verdrängen, welche die Erzeugung von weniger Nachkommen ermöglichen. Diese andauernde Verdrängung der jeweils weniger zweckmässigen Erbeigenschaften durch die jeweils zweckmässigeren Erbeigenschaften macht die Evolution des Lebens aus.

 

In der Evolution des Lebens geben die Lebewesen ihren genetischen Bauplan von Generation zu Generation an ihre Nachkommen weiter. Dabei auftretende Mutationen führen neue Erbeigenschaften in die Baupläne ein. Je besser nun ein Bauplan für die Erzeugung von Nachkommen geeignet ist, umso stärker werden seine Erbeigenschaften in den Bauplänen der nächsten Generation vertreten sein. Je schlechter ein Bauplan für die Erzeugung von Nachkommen geeignet ist, umso eher gehen seine Erbeigenschaften auch wieder verloren. Auf diese Weise wurde die Erzeugung von Nachkommen zum höchsten Zweck aller Lebewesen, die in der Evolution des Lebens bestehen konnten. Sie konnten genau deshalb bestehen, eben weil für ihre Erbeigenschaften die Erzeugung von Nachkommen ihr höchster Zweck ist.

 

Die Bedürfnisse der Lebewesen

Jedes natürliche Bedürfnis eines Lebewesens ist eine biologische Ordnungsstruktur. Damit eine biologische Ordnungsstruktur in der Evolution des Lebens entstehen oder auch nur bestehen kann, muss sie biologisch sinnvoll sein. Das heisst, sie muss unter den über viele Generationen hinweg üblichen natürlichen Bedingungen die Überlebens- und Fortpflanzungschancen des Lebewesens vergrössern. Unter natürlichen Bedingungen sind denn auch die Bedürfnisse des Lebewesens konstruktiv und lebensbejahend. Ich bezeichne diese natürlichen Bedürfnisse des Lebewesens als seine primären Bedürfnisse.

 

Die gegebenen Lebensbedingungen können manchmal das Leben des Lebewesens einschränken. Solange diese Einschränkung seines Lebens sich im über viele Generationen hinweg üblichen Rahmen hält, reagiert das Lebewesen darauf mit Bedürfnissen, die weiterhin konstruktiv und lebensbejahend sind und die somit ebenfalls zu seinen primären Bedürfnissen gehören. Wenn jedoch die Einschränkung seines Lebens über jenen Rahmen hinausgeht, wird der Bedürfnishaushalt des Lebewesens dadurch ernsthaft gestört. Die primären Bedürfnisse verändern sich, und es treten Ersatz- und Kompensationsbedürfnisse auf, bei denen nicht mehr gewährleistet ist, dass sie weiterhin biologisch sinnvoll sind. Unter unnatürlichen Bedingungen können die Bedürfnisse des Lebewesens destruktiv und lebensverneinend werden. Ich bezeichne diese unnatürlichen Bedürfnisse des Lebewesens als seine sekundären Bedürfnisse.

 

Wenn die Bedürfnisse eines Lebewesens destruktiv und lebensverneinend geworden sind, können sie eine Bedrohung für andere Lebewesen darstellen. Es ist deshalb sehr wohl gerechtfertigt, diese sekundären Bedürfnisse des Lebewesens gesellschaftlich einzuschränken. Ganz entscheidend ist dabei jedoch, dass die gesellschaftliche Einschränkung tatsächlich die sekundären Bedürfnisse trifft und nicht etwa die primären Bedürfnisse. Denn durch die gesellschaftliche Einschränkung der primären Bedürfnisse werden nur noch mehr sekundäre Bedürfnisse erzeugt. Die gesellschaftliche Einschränkung der sekundären Bedürfnisse müsste vielmehr verbunden werden mit dem gesellschaftlichen Schutz der primären Bedürfnisse.

 

 

aus meinem Buch: „Evolutionsphilosophie“ 2006(00)  Open-Hearts Edition

vgl. Ernst Mayr: „Das ist Evolution“ 2003(01)  Bertelsmann

vgl. Gerald Hüther: „Die Evolution der Liebe“ 1999  Vandenhoeck

 

Kornkreis 1